Il 26 aprile 1937 i fascisti italiani e tedeschi bombardavano a tappeto la cittadina basca di Guernica

Alcune foto al sito originale di questo articolo, apparso sull'ottimo quotidiano tedesco junge Welt:
 

junge Welt (Berlin)

25.04.2007 / Thema / Seite 10

Krieg geprobt


Am 26. April 1937 zerstören deutsche und italienische Faschisten im ersten Flächenbombardement der Militärgeschichte die baskische Stadt Gernika. Die offizielle deutsche Seite hat bis heute Schwierigkeiten, daran zu erinnern

Von Wolfgang Wippermann


Am 26. April 1937 – morgen vor 70 Jahren – griffen deutsche und italienische Flugzeuge die kleine baskische Stadt Gernika (spanisch: Guernica) an. In mehreren Angriffswellen wurden Spreng-, Splitter- und Brandbomben auf die unverteidigte und militärisch völlig unbedeutende Stadt geworfen, die gänzlich zerstört wurde. Die Opferzahlen sind nie genau ermittelt worden. Schätzungen schwanken zwischen 200 und über 1000. Vor dem dreistündigen Angriff lebten etwa 10000 Menschen – 7000 ständige Einwohner und 3000 Flüchtlinge – in Gernika.

Gernika war das erste Flächenbombardement der Geschichte. Der Terror sollte und hat Entsetzen unter der Zivilbevölkerung hervorgerufen. Die spätere Schutzbehauptung der deutschen Militärs und Militärhistoriker, wonach man doch »nur« eine Brücke habe zerstören wollen – die man dann noch nicht einmal traf –, ist schlicht eine Lüge. Gernika war ein – deutsches – Kriegsverbrechen und stellte einen Zivilisationsbruch dar, den Deutsche zu verantworten haben. Pablo Picasso hat dies erkannt und mit seinem gleichnamigen Meisterwerk zum Ausdruck gebracht.


Globale Offensive des Faschismus

Doch dies war nicht alles. Der sorgfältig geplante und skrupellos ausgeführte Angriff auf Gernika markiert darüber hinaus die globale Offensive des Faschismus. Einmal in Spanien selbst. Hier hatten die Franco-Faschisten trotz der Hilfe der Land- und Luftstreitkräfte ihrer deutschen und italienischen Gesinnungsgenossen verschiedene militärische Niederlagen hinnehmen müssen. Vor allem die Hauptstadt des republikanischen Spaniens, Madrid, war nicht gefallen. Die militärische Entscheidung wurde jetzt im Norden gesucht. Luft- und Terrorangriffe auf die schutzlose Zivilbevölkerung sollten sie erzwingen. Dies geschah auf Drängen des Stabs­chefs der »Legion Condor« Wolfram Freiherr von Richthofen – und ganz offensichtlich auch auf Befehl Hitlers.

Die faschistischen Mächte gingen 1937 jedoch nicht nur in Spanien in die Offensive. Zur gleichen Zeit verstärkte Japan den außenpolitischen Druck auf China, um dieses riesige Land schließlich im Juli 1937 anzugreifen. Dieser ohne förmliche Kriegserklärung begonnene Aggression in Asien endete erst im Sommer 1945.

Das faschistische Italien hatte 1936 den mit äußerster Brutalität und auch unter Einsatz von Giftgas geführten Krieg in Abessinien beendet und noch im gleichen Jahr mit Bodentruppen in den Spanischen Bürgerkrieg eingegriffen. Beide Handlungen waren völkerrechtswidrig, wurden jedoch vom Völkerbund und den demokratischen Staaten nur milde getadelt.

Die offenkundigen Kriegsvorbereitungen Deutschlands stießen bei den Westmächten ebenfalls auf wenig Widerstand. Dies galt sowohl für die seit 1933 betriebene widerrechtliche Aufrüstung als auch für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 und den Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland im Februar 1936. Auf die offene Einmischung in den Spanischen Bürgerkrieg im Juli 1936 reagierten die Westmächte mit der Einberufung eines völlig passiv bleibenden Nichtinterventionskomitees. Hitler fühlte sich durch diese schon in Spanien begonnene Appeasementpolitik Englands und Frankreichs bestätigt und gab in der »Denkschrift zum Vierjahresplan« sowohl der deutschen Armee wie der deutschen Industrie den Befehl, »in vier Jahren kriegsfähig« zu sein. In Spanien wurde dieser Krieg schon einmal geprobt.

Toleriert wurde das alles von den Westmächten, die meinten, Hitler »beschwichtigen« zu können, weil sie sich für einen Krieg nicht stark genug fühlten. In Frankreich versank die 1936 gebildete und mit so vielen Hoffnungen begleitete Volksfrontregierung unter Léon Blum in Apathie und Nichtstun, was dazu führte, daß Blum schon am 19. Juni 1937 völlig enttäuscht und demoralisiert zurücktrat. Zu einem Regierungs- (und Thron-)wechsel kam es auch in England, das sich genau wie Frankreich von den Folgen der Weltwirtschaftskrise noch keineswegs erholt hatte und wiederum wie Frankreich mit einer erstarkenden faschistischen Partei – Oswald Mosleys British Union of Fascists – konfrontiert war. Nachfolger Stanley Baldwins, der am 28. Mai 1937 zurücktrat, wurde Neville Chamberlain. Er sah nicht nur der Aggression Deutschlands und Italiens in Spanien, sondern auch der japanischen in China tatenlos zu, obwohl britische Interessen in Ostasien ganz unmittelbar tangiert wurden.


Scheitern des Antifaschismus

Allen anderen und späteren Bekundungen zum Trotz betrieben England und Frankreich keine antifaschistische Politik. Was machte die Sowjet­union? Sie verkaufte für gutes und teures Geld Waffen an die Spanische Republik und entsandte »Experten«, und zwar sowohl militärische als auch terroristische. Letztere begannen ebenfalls 1937 in Barcelona mit ihrem blutigen Handwerk. Zu den vornehmlichsten Opfern der »Tschekisten« (russischer und auch deutscher Herkunft) wurden keineswegs »Faschisten«, sondern vor allem vorgebliche oder tatsächliche Trotzkisten. Angesichts der Massaker an den Anhängern der POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einheit) wandten sich viele der nach Spanien geeilten Antifaschisten entsetzt von dieser pervertierten und mißbrauchten Form des Antifaschismus ab. George Orwell, dessen »Hommage auf Katalonien« Ken Loach in »Land and Freedom« meisterhaft verfilmt hat, war einer von ihnen. Sie wurden dann von den Kommunisten als »Renegaten« beschimpft, wandelten dieses Schimpfwort jedoch in einen Ehrentitel um.

Die Sowjetunion hatte den Kredit, den sie 1935 durch die Beschlüsse des VII. Weltkongresses der III. Internationale gewonnen hatte, zudem durch die sogenannte »große Säuberung« verloren, der neben der gesamten alten Garde der Bolschewiki auch fast die komplette militärische Führung der Roten Armee zum Opfer fiel. Die nach wie vor an ihre Sache glaubenden und mutig weiterkämpfenden kommunistischen Interbrigadisten konnten froh sein, daß sie in den spanischen Schützengräben, wie der deutsche Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Alfred Kantorowicz in seinem »Spanischen Tagebuch« (1948) ironisch notierte, »weit vom Schuß« waren.

Die USA, damals schon Weltmacht, hielten an ihrem isolationistischen Kurs fest. Präsident Franklin D. Roosevelt warnte die faschistischen Mächte zwar in seiner sogenannten Quarantäne-Rede vom 5. Oktober 1937, ließ diesen Worten aber keine Taten folgen. Gernika und das Leid der Basken waren zwar bekannt und wurden in der amerikanischen Publizistik auch beweint, doch konkrete Hilfe kam nicht. Dennoch eilten auch amerikanische Antifaschisten der bedrohten Spanischen Republik zu Hilfe und stellten eine eigene, nach Präsident Abraham Lincoln benannte Brigade auf. Ernest Hemingway dagegen begnügte sich mit Schreiben. »For Whom the Bell tolls« (Wem die Stunde schlägt) aus dem Jahr 1940 ist 1943 von Hollywood ziemlich schnulzig verfilmt worden.


Papst gegen Republik

Die schärfste Kritik ist an die Adresse des Papstes Pius XI. zu richten. Er verfügte zwar nicht, wie Stalin einmal gespöttelt hat, über militärische Divisionen, wohl aber über moralisches Ansehen, das ihn berechtigt und verpflichtet hätte, den Angriff auf Gernika und die anderen faschistischen Verbrechen in Spanien zu verurteilen. Doch das geschah nicht. Statt dessen hat der Vatikan völlig einseitig die Partei der Faschisten ergriffen. Ihr Kampf gegen die legitime spanische Republik wurde von der katholischen Kirche in Spanien (mit Ausnahme natürlich der baskischen Bischöfe) als gottgewollter und gottgefälliger »Kreuzzug gegen den gottlosen Bolschewismus« gefeiert und zugleich legitimiert. Zu Gernika kam kein Wort des Bedauerns. Im Gegenteil!

Auf der Pariser Kunstausstellung im Jahr 1937 wurde gewissermaßen als Gegengewicht zu Picassos »Guernica« im spanischen Pavillon in dem des Vatikans ein sechs mal drei Meter großes Altargemälde des Franquisten José María Sert gezeigt, auf dem die, so die Unterschrift, »Heilige Theresa, Botschafterin der göttlichen Liebe zu Spanien, (...) unserem Herrn die spanischen Märtyrer von 1936« (womit Francos Soldaten und marokkanischen Legionäre gemeint waren) darbringt. Auf diesem katholischen Agitpropbild stürzt sich die »Heilige Theresa« wie ein deutscher Stukabomber auf Spanien, um die faschistischen »Märtyrer« direkt in den Himmel zu holen.

Die »heilige Stadt« der Basken hatte da gerade die Hölle erlebt. Doch dies hat den »Heiligen Vater« in Rom nicht interessiert. Übrigens bis heute nicht. Der faschistische Terror in Gernika und anderswo wurde von keinem katholischen Oberhaupt klar und kompromißlos verurteilt. Und wenn, dann nur unter Nennung des angeblich viel schlimmeren kommunistischen. Dies ist und soll kein Plädoyer für einen antikatholischen Kulturkampf sein, sondern eine Anklage gegen alle, die dem Zivilisationsbruch in Gernika tatenlos zugesehen haben, der unmittelbar zum Zweiten Weltkrieg führte.


Leerstelle im kollektiven Gedächtnis

Dies ist nicht vergessen, aber verdrängt worden. Gernika war und blieb bekannt, aber mehr das Bild Picassos als die Stadt. Im kollektiven Gedächtnis der Völker war und sollte Gernika lange Zeit eine Leerstelle sein. Zunächst und vor allem in Spanien. In der Zeit des Faschismus, die in Spanien erst mit Francos Tod 1975 zu Ende ging, gab es geradezu ein Verbot, über Gernika öffentlich zu sprechen. Dieses Gedächtnisverbot ist erst in den letzten Jahren gebrochen worden. Aber mehr im Baskenland selbst als im übrigen Spanien. Hinderungsgrund sind die Aktivitäten der ETA. Aber sie war es, die das erfolgreiche Attentat auf Carrero Blanco ausgeführt hat, der der offizielle Vertreter und schon ernannte Nachfolger des Faschisten Francos war.

Doch wie man auch immer die politischen und Untergrundaktivitäten der ETA beurteilen will, sie legitimieren nicht, den Terrorangriff vom 26.April 1937 in irgendeiner Weise zu relativieren oder zu verdrängen. Wie schon gesagt, geschieht dies im Baskenland auch keineswegs. Dies ist vor allem das Verdienst des baskischen Friedenszentrums »Gernika Gogoratuz«, das in vielfältiger Weise an Gernika erinnert. Dabei arbeitet es in den letzten Jahren auch mit einigen deutschen Initiativen zusammen. Dies ist neu. Ist doch Gernika gerade in Deutschland lange Zeit verdrängt worden.

In der DDR allerdings weniger als in der (alten und neuen) Bundesrepublik. Dort gab es viele Straßen, die nach Interbrigadisten benannt wurden. Einige dieser Straßennamen sind inzwischen jedoch »abgewickelt« worden. Eine geschichtsvergessene Schande. Doch einen Gernika-Platz gab es in der DDR nicht. Wie sonst auch stand die Erinnerung an die antifaschistischen Kämpfer und nicht der Opfer im Mittelpunkt. Während Picassos »Guernica« in allen Schulen gezeigt und besprochen wurde, galt seine Friedenstaube in den achtziger Jahren als staatsfeindliches Symbol. Doch wer dies wie die späte diplomatische Anerkennung des faschistischen Franco-Regimes durch die DDR kritisiert, darf über die Geschichtspolitik der Bundesrepublik nicht schweigen.

Gernika war hier eine verordnete Leerstelle im kollektiven Gedächtnis. Dies, obwohl das Verbrechen bekannt war, weil sich schon der NS-Staat seiner gerühmt hatte. Ein Beispiel ist die 1939 anläßlich der Rückkehr der »Legion Condor« umbenannte Spanische Allee in Berlin-Zehlendorf. Maßgebend für das spätere Beschweigen von Gernika war der bundesrepublikanische Antikommunismus, der so etwas wie die Staatsideologie der Bundesrepublik war und ist. Galt doch auch die Spanische Republik als kommunistisch. Das faschistische Franco-Spanien war und blieb dagegen Bundesgenosse im Kampf gegen den weltweiten Kommunismus. Schließlich war der nach 1945 für kurze Zeit international geächtete Franco auch von den USA wieder anerkannt worden, die dafür militärische Stützpunkte in Spanien erhielten.

Ein weiterer wichtiger Faktor war die sogenannte Traditionspflege der Bundeswehr, die mehrere Kasernen und Fliegerhorste nach Angehörigen der »Legion Condor« benannte. Den Rest besorgten die immer zahlreicher werdenden Touristen, die in Spanien – auch schon in der faschistischen Zeit – Erholung suchten und nicht an die Geschichte erinnert werden wollten. Darunter befanden sich auch verschiedene 68er, denn die haben in dieser Hinsicht kaum für einen erinnerungspolitischen Wandel gesorgt. In Mallorca war fast jeder, doch in Gernika kaum jemand.

Mit zur Verdrängung dieses Verbrechens hat jedoch ebenfalls die seit dem gleichnamigen Hollywoodfilm von 1979 einsetzende, wie soll man sagen, »Entdeckung« des Holocausts beigetragen. Denn alles, was im Schatten dieses Megaverbrechens steht oder zu stehen scheint, gilt als »nicht so schlimm«. Selbst noch in der (ersten) Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht« tauchte das erste Verbrechen der Luftwaffe – Gernika – nicht auf. Wenn von »Bombenterror« geredet wurde, waren Dresden und andere deutsche Städte gemeint. Vor Dresden waren aber Gernika 1937, Warschau 1939, Rotterdam und Coventry 1940, Belgrad 1941.


Geschichtspolitische Initiativen

Daran ist seit den achtziger Jahren jedoch von verschiedenen Einzelpersonen und Initiativen erinnert worden. Die Liste ist nicht lang, aber wichtig. Unvergessen ist das Engagement der Grünen-Politikerin Petra Kelly. Gewürdigt werden sollte aber auch Ute Vogt von der SPD, die sich in und mit der Partnerstadt von Gernika, Pforzheim, für eine Versöhnung eingesetzt hat. In Wunsdorf bei Hannover kämpfte ein lokaler Geschichtsverein gegen die Benennung eines Standortes der Luftwaffe nach einem Offizier der »Legion Condor«. Schließlich mit Erfolg. Und dann darf der in Berlin ansässige »Deutsch-baskische Kulturverein Gernika« nicht unerwähnt bleiben. Er arbeitet mit dem baskischen »Gernika Gogoratuz« eng zusammen und hat schon vor zehn Jahren ein internationales Symposium über Gernika veranstaltet, das ein bemerkenswert breites und positives Echo hervorrief.

Diese gewissermaßen von unten getragenen geschichtspolitischen Aktivitäten blieben nicht unbeachtet und führten zu gewissen Erfolgen. Die PDS führte 1997 eine Gedenkveranstaltung im Bundestag in Bonn durch, die aber von den Medien wenig beachtet und von der CDU sogar kritisiert wurde. Um so größer war das Erstaunen, daß gleichzeitig der deutsche Botschafter in Spanien auf der Gedenkveranstaltung in Gernika erschien und eine Erklärung des Bundespräsidenten – damals Roman Herzog – verlas, in der dieser sein Bedauern über die Bombardierung Gernikas aussprach. Sie war zwar zurückhaltend – meiner Erinnerung nach sogar zu sehr – formuliert, fand aber bei den anwesenden Basken große Zustimmung. Dies war der geschichtspolitische Durchbruch.

Seitdem haben sich die deutsch-baskischen Beziehungen bedeutend verbessert. Gernika scheint zumindest im kollektiven Gedächtnis der Deutschen langsam den ihm zustehenden Platz zu erhalten. Das geschieht aber nur, wenn wir uns weiter dafür einsetzen. Für Gernika, aber auch für die Achtung und Ehrung der deutschen Interbrigadisten, die für Gernika und die Spanische Republik gekämpft haben. Die Fraktion Die Linke hat im Bundestag einen Antrag gestellt, wonach u.a. folgendes beschlossen werden soll: »Der Deutsche Bundestag gedenkt, stellvertretend für die mehr als 3000 deutschen Freiwilligen, die auf der Seite der Spanischen Republik kämpften, der Reichstagsabgeordneten Artur Becker, Hans Beimler, Walter Chemnitz, Franz Dahlem, Gustav Flohr, Erich Glückauf, Paul Hornick, Fritz Kahmann, Otto Kühne, Wilhelm Pinnecke, Max Roscher, Hermann Schnelle und Hermann Schuldt. Der Deutsche Bundestag würdigt ebenfalls den Einsatz der späteren Abgeordneten des Deutschen Bundestages Jakob Altmaier, Peter Blachstein, Willy Brandt, Gustav Gundelach, Hermann Nuding, Fritz Schönauer und Walter Vesper für die Spanische Republik.« Der Antrag ist noch nicht entschieden worden.


Wolfgang Wippermann ist Professor für Neuere Geschichte im Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin